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Samstag, 10. April 2021
Dienstag 14. Februar 2012

E-Bike bringt neuen Schwung fürs Radfahren

Rubrik: Alltagsradfahren
Von: Mag. Gerhard Prieler, Stv. Vorsitzender der Initiative FahrRad OÖ

Warum ich mir vor knapp zwei Jahren zum Erstaunen vieler Freunde – manche waren sogar entsetzt darüber - ein E-Bike gekauft habe? Der einzige Grund: Wir wohnen auf einem ziemlich steilen Hügel in Leonding und ich habe auf meinem Arbeitsweg an die Päd. Hochschule (den ich bisher mit meinem „normalen“ Rad bewältigt habe) starke Steigungen zu überwinden. Das ist jetzt wesentlich weniger anstrengend und weniger schweißtreibend, was ich sehr schätze.

Eine Reihe von Bekannten, die meisten zwischen 45 und 55 haben sich in letzter Zeit ebenfalls ein E-Bike zugelegt. Aus unterschiedlichen Motiven:

  • einer führt damit täglich im Anhänger sein jüngstes Kind in den Kindergarten;
  • eine Kollegin wohnt im hügeligen Mühlviertel und fährt dort wieder verstärkt und über längere Distanzen als bisher mit dem Rad;
  • ein Freund, der bisher Radmuffel war, hat Probleme mit seinem Fuß. Er muss deshalb sein geliebtes Laufen aufgeben. Radfahren „mit Turbo“ ist jetzt eine Alternative für ihn.

Allein das sind meiner Einschätzung überzeugende Gründe für das Pedelec, wie das E-Bike offiziell heißt. Tatsache ist, der Aktionsradius erhöht sich mit einem E-Bike beträchtlich. Für viele auch der Spaß am Radfahren. Und es verleiht dem Thema Radfahren zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit und trägt zu dessen Imagegewinn  bei. „Im Kielwasser der E-Mobilität profitiert auch der normale Radfahrer. Das E-Bike schafft Handlungsdruck für Politiker, etwas für den Radverkehr zu tun“, meinte Univ. Prof. Priewasser bei der Klausur der Initiative FahrRad OÖ, bei der es um Rahmenbedingungen für Verhaltensänderungen im Verkehr ging.

Dass das E-Bike auch seine „Schattenseiten“ hat, will ich nicht negieren. Natürlich, es braucht Strom; doch Hand aufs Herz, wie viel? Bei einem angenommenen mittleren Verbrauch von 10 Wh/km kommt man mit einer Kilowattstunde elektrischer Energie 100 km weit - bei nur etwa 20 cent Stromkosten! Selbst bei extrem hohen Fahrleistungen von z.B. 10 000 km pro Jahr liegen somit die Strommehrkosten bei nur 20 Euro pro Jahr. Davon wird wohl kein Energiekonzern reich. Und ihm deswegen die Umweltfreundlichkeit abzusprechen halte ich für reichlich überzogen. Natürlich, die Produktion und die Entsorgung der Akkus sind ein ökologisches Problem, übrigens wie die aller Akkus, z. B. in unser aller Laptops!

Ich frage mich, warum verlangen die Puristen vom E-Bike, dass es ein ökologisches Wundermittel zu sein hat? Das halte ich für überzogene Erwartungen. Für mich ist es trotzdem für ein tolles Rad mit attraktiven Vorzügen. Und mein Akku ist nach knapp zwei Jahren regelmäßigem Gebrauch keineswegs Sondermüll sondern funktioniert wie am ersten Tag.

Und noch etwas: Ich bin doch nicht nur E-Bike-Fahrer. Ich fahre mit meinem alten „Bahnhofsrad“ zum Zug, mit dem Tourenrad auf Ausflüge und – leider viel zu selten – mit meinem alten Rennrad auf Spritzfahrten.

 



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